KARAT – rocken den Münchner Cirkus Krone

KARAT zählen zu den erfolgreichsten Bands der ehemaligen DDR und sind nicht zuletzt, dank Peter Maffays Coverversion ihres größten Hits „Über Sieben Brücken musst Du gehn“, auch Musikfans in den alten Bundesländern ein Begriff. So strömten am Sonntag, den 04.06.2023, gleichermaßen „Zuagroaste“ wie alt eingesessene Münchner in den Cirkus Krone.

Bereits um 18:00 Uhr enterten KARAT unter großem Applaus die Bühne und begannen ihr Set äußerst druckvoll. Sänger Claudius Dreilich begrüßte nach dem dritten Song das Publikum und betonte, wie froh alle sind, endlich in München spielen zu dürfen.

Weiter ging es mit „… und der Mond schien rot“, bevor „Jede Stunde“ schon lauthals von den Fans mitgesungen wurde. Keyboarder Martin Becker, welcher auch ein ausgezeichneter Virtuose an der Mundharmonika ist, lieferte sich einen spielerischen Schlagabtausch mit Gitarren Altmeister Bernd Römer und Sänger Claudius übernahm kurzerhand das Keyboard.

Anschließend wurde bei dem wunderbaren „Schwanenkönig“ das Tempo etwas gedrosselt und das schon teilweise etwas betagte Publikum durfte kurz durchschnaufen, bevor man den „Mond mit der Hand berührte“.

Nicht nur bei dem Song „Marionetten“ begeisterte der sympathische Frontmann die Fans mit seiner Mimik und Gestik. Ausdrucksstark von der ersten bis zur letzten Minute, überzeugte Claudius seine Anhänger und ließ seinen Gefühlen sichtlich freien Lauf. Sänger und Band strotzten vor Spielfreude, welche sich direkt in das Circus Rund übertrug.

Getrieben wurden die „Marionetten“ und die komplette Show vom hervorragenden Neuzugang an den Drums, Heiko Jung. Und auch Neu-Bassist, Daniel Bätge, durfte seine ganze Klasse immer wieder ausspielen. Dabei wirkte Daniel wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung. Beide neuen Mitglieder wurden mit viel Beifall begrüßt und werden mit Sicherheit schnell die Herzen der Fans erobern. Zwischen den Songs scherzte Claudius mit einem Schmunzeln im Gesicht, durch die personellen Änderungen endlich nicht mehr der Jüngste bei KARAT zu sein und erntete viele Lacher.


Dem „Gewitterregen“ folgte das fast zehnminütige Meisterwerk „Albatros“. Hier liefen Gitarrist Bernd Römer und Bassist Daniel Bätge bei Ihren Soli jeweils zu Hochform auf und ließen die Musikkenner staunen, mit welcher spielerischen Leichtigkeit sie ihre Instrumente beherrschten. Und auch Martin Becker präsentierte immer wieder im Verlauf der Show seine spielerischen Qualitäten an den Keys und der Mundharmonika.

Was anschließend geschah, lässt sich fast nicht mit Worten beschreiben. Das normalerweise eher zurückhaltende Münchner Publikum erhob sich von seinen Plätzen und brach in Begeisterungsstürme aus. Obwohl die Halle nur knapp bis zur Hälfte gefüllt war, konnte man den Applaus wahrscheinlich noch am Marienplatz hören. Die Band war sichtlich überwältigt und auch ein wenig sprachlos ob dieser Reaktion. Und jedes Mal, wenn Claudius sich bedanken wollte, brandete der Applaus erneut ohrenbetäubend auf. Was für ein Erfolg, und das ausgerechnet in der bayerischen Landeshauptstadt.

Daraufhin wurde das „Magische Licht“ angezündet, bevor in einem sehr emotionalen Moment, Claudius an seinen Papi Herbert erinnerte. Vor allem auch daran, was dieser alles für KARAT getan hatte. Der anschließende Hit „Mich zwingt keiner in die Knie“ wurde dann auch dem viel zu früh verstorbenen Herbert Dreilich gewidmet.

Bei den „Blumen aus Eis“ hielt es wieder niemand mehr auf den Sitzen. Vor lauter Begeisterung sprang Claudius von der Bühne herunter, rannte durch die Halle und nahm direkt Tuchfühlung mit den Fans auf. Einige ältere Damen sahen aus, als stünden Sie kurz vor einem Herzinfarkt, weil sie ihrem Star so nah sein durften.

Das Tempo zog „In Deiner Galerie“ und beim „Narrenschiff“ noch einmal ordentlich an und ein fettes Drum Solo wurde von einer tollen Lichtshow untermalt. Und auch Bernd an der Gitarre und Daniel am Bass ließen die Finger über die Saiten fliegen.

Nachdem die letzten Töne von „Der blaue Planet“ verklungen waren, gab es wieder Standing Ovations und nicht enden wollenden Applaus. Auf die Frage: „Wollen wir gemeinsam über sieben Brücken gehen“ konnte es natürlich nur eine Antwort geben. Als die letzten Töne dieses Meisterwerkes verklungen waren, verabschiedete sich die Band unter lautem Jubel von den Fans.

 

Die „Zugabe, Zugabe“ Rufe schallten durch die Halle und wollten nicht verstummen. Daraufhin stürmten alle Bandmitglieder mit einem fetten Grinsen im Gesicht zurück auf die Bühne.

Als Zugabe und kleines Schmankerl präsentierten KARAT einen neuen, groovigen Song, welcher noch keinen Namen hatte. Und auch die Ankündigung, dass mittlerweile fleißig am neuen Album gearbeitet wird, löste wieder viel Begeisterung aus. Mit „Weitergehn’n“ und dem „König der Welt“, endete in München ein unglaublich intensives und emotionales Konzert, welches die Fans und auch die Band in dieser Form wohl nicht erwartet hätten und auch so schnell nicht vergessen werden.

KARAT gehören seit fast 50 Jahren zur Speerspitze des Ostrocks. Die Rockerrente ist noch weit entfernt, denn die mit Heiko Jung und Daniel Bätge einhergehende Verjüngung bringt frischen Wind und neue Perspektiven in die Band. Auf das neue Album, welches im Jubiläumsjahr 2025 erscheinen soll, darf man gespannt sein. Der neue Song ohne Namen war schon sehr, sehr vielversprechend.

Aber bis es so weit ist, stehen in den kommenden Monaten noch viele Konzerte in ganz Deutschland auf dem Plan und man sollte die Gelegenheit nutzen, die Herren live auf der Bühne zu erleben. Es lohnt sich! Versprochen!

Text+Fotos: Sandra Baumgartl

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