KREATOR und LAMB OF GOD – auf Co-Headliner Tour live in München

KREATOR + LAMB OF GOD – State of Unrest Tour 2023
Mittwoch, 15.02.2023 – München Zenith
Support: MUNICIPAL WASTE

Nach dreimaliger Verschiebung war es endlich so weit und die „State of Unrest“ Tour machte in München halt. Auch wenn sich vor dem Zenith eine lange Schlange bildete, war der Innenraum mindestens zu einem Drittel mit schwarzen Vorhängen abgehängt und verkleinert. Trotzdem blieb immer noch genügend Bewegungsspielraum für Moshpits und andere Aktivitäten.

MUNICIPAL WASTE gaben für LAMB OF GOD und KREATOR den Anheizer und holten langsam, aber sicher die Münchner Headbanger aus ihrer Winterstarre. Der feierwütige Fünfer aus Richmond, Virgina, legte wie gewohnt brachial los und feuerte seine kurzen, aber deftigen Songs in die Menge.

Kaum eine andere Band bringt es fertig, in 35 Minuten die gleiche Anzahl an Songs in die Menge zu rotzen, wie die anschließenden Co-Headliner in 75 Minuten, nämlich 14 an der Zahl.

Auch wenn MUNICIPAL WASTE D-Zug gleich durch ihr Set pflügten, wollte der  letzte Funke einfach nicht so recht überspringen. Obwohl man einige rotierende Nacken und Crowdsurfer sah und sich auch noch ein Circle Pit bildete, fehlte einfach das gewisse Etwas bei ihrem Auftritt. 

Der punkige Thrash der Amis funktioniert einfach am besten in kleinen räudigen Clubs, wenn Fans und Band steil gehen und Stagediver im Akkord von der Bühne fliegen.

MUNICIPAL WASTE hatten sich kaum warm gespielt, war nach etwas mehr als einer halben Stunde, schon wieder Schluss mit lustig. Mit “The Art Of Partying” und “Born To Party” beendeten die kultigen Amis ihr Set.

Ohne viel Firlefanz läuteten LAMB OF GOD mit “Memento Mori” ihren Auftritt ein und brachten von Beginn an ordentlich Bewegung in die Halle.

Schreihals Randy Blythe ließ die langen Dreads fliegen, und tobte und sprang wie ein wilder Derwisch über die Bühne. Und auch die Fans ließen die Matten wirbeln und powerten sich im Circle Pit aus.

Obwohl der Sound nicht optimal war, ballerten LAMB OF GOD aus allen Rohren und auch die Axtfraktion schredderte, als gäbe es kein Morgen.

Randy Blythe suchte häufig den Kontakt zu den Fans und bedankte sich, dass diese ihnen nach dreimaliger Verschiebung der Tour immer noch die Stange hielten, bevor er wieder zum nächsten Ringelpiez aufforderte.  

LAMB OF GOD ließen den Headbangern keine Verschnaufpause und beendeten mit “Redneck” einen energiegeladenen, druckvollen Auftritt.

Bevor KREATOR die Bühne enterten, wurde diese vor dem Umbau wieder mit einem Vorhang verhüllt. Bereits zur European Apocalypse Tour 2018 hatten die Kult-Thrasher alles an Show-Effekten aufgefahren, was es wohl im Dutzend billiger gab.

Und auch dieses Mal sparten KREATOR nicht an Klimbim wie gepfählten Dämonen, welche die Bühne rechts und links flankierten. Von der Decke baumelnde Gestalten, Luftschlangen und Pyro, sind zwar nette Gimmicks, können aber nicht über einen saft- und kraftlosen Mille hinwegtäuschen.

Auch wenn KREATOR mit “Hate über Alles” losballerten und “Enemy of God”, “Phobia” und “Satan Is Real” fett von den Schädelschwingern gefeiert wurden, konnten die Thrash Urgesteine diesmal nicht gegen den überragenden Auftritt von LAMB OF GOD anstinken.

KREATOR kämpften sich durchs Set und auch Lead-Gitarrist Sami Yli-Sirniö schien heute nicht seinen besten Tag zu haben. Reine Spielfreude sieht anders aus. Eine erfreuliche Ausnahme war Bassist Fédéric Leclercq, welcher mit ausdrucksstarkem Spiel überzeugte.

Gegen Ende griffen die Thrasher noch einmal ganz tief in die Klassiker Kiste und drückten den Fans “Extreme Aggression” und “People Of The Lie” durch die Lauscher.

“Violent Revolution” und “Pleasure To Kill” ließen einen durchwachsenen Auftritt von KREATOR zu Ende gehen.  

Bleibt zu hoffen, dass KREATOR einfach nur einen miesen Tag erwischt hatten. Vielleicht war es auch teilweise dem Soundbrei oder dem nur etwas mehr als halbvollen Zenith geschuldet. Wer KREATOR kennt weiß, dass die Urgesteine auch anders können und eigentlich noch längst nicht zum alten Eisen gehören.

MUNICIPAL WASTE verbreiteten einfach nur gute Laune, konnten aber in der großen Halle ihre Stärken nicht vollständig ausspielen.

LAMB OF GOD nagelten dieses Mal KREATOR mit ihrem Auftritt komplett an die Wand. Darüber konnte auch die fette Show der Essener nicht hinwegtäuschen. Deshalb beim nächste Mal, Augen auf bei der Co-Headliner Wahl, damit der Schuss nicht wieder nach hinten losgeht.

Text+Fotos: Sandra Baumgartl 

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